INTERNATIONAL CONFERENCE
november 8–9, 2018

Das Institut für Architektur der TU Berlin wird am 8./9. November 2018 die Konferenz THINK. DESIGN. BUILD. 2. TYPE, TYPOLOGY AND TYPOGENESIS IN ARCHITECTURE organisieren. Sie ist die zweite der internationalen Konferenzreihe Think.Design.Build, die alle zwei Jahre vom Institut für Architektur organisiert wird. Die erste Konferenz fand 2016 unter dem Thema Think. Design. Build 1 – Architectural Matters statt.

Die diesjährige Konferenz wird sich unter dem Titel Type, Typology, and Typogenesis in Architecture den Prozessen der Typenbildung in Bezug auf THEORIE (THINK), ENTWURF (DESIGN) und PRAXIS (BUILD) widmen. Damit greift die Konferenz ein komplexes und aktuelles Thema auf. Infolge der Einführung des Web 2.0 lässt sich heute eine vielfältige Ausdifferenzierung der Arbeits- und Produktionswelten, der Freizeit wie auch der individuellen Wohn- und Partnerschaftsmodelle beobachten, die mehr denn je nach Herausbildung neuer Typen in Architektur und Städtebau verlangen.

Vor dem Hintergrund neuer Kommunikationstechnologien, die durch ihre permanente Innovation alle Bereiche von Kultur und Gesellschaft in ihrem Sog der Veränderung mitreißen, kehrt die Frage der Typologie auf neuer, konzeptueller Ebene zurück. Längst sind die Debatten über jenen Punkt hinaus, an dem noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit der individuellen Massenfertigung (mass customisation) die Typologie als ein überwundener, mithin altmodischer oder gar reaktionärer Standpunkt (Carpo, Lynn, Migayrou) stigmatisiert wurde. Allen Prophezeiungen zum Trotz fand das Gegenteil statt. Die alles durchdringende Medialisierung des Alltagslebens, die Verdichtung der Städte und die Notwendigkeit zum Bauen im Bestand führt zur weiteren Ausdifferenzierung der Lebenswelt und infolgedessen zu einem PROZESS DER TYPENBILDUNG, der sein Ende noch lange nicht erreicht hat.

Der Konferenz liegt eine Definition der Typologie zugrunde, die einerseits Typologie als die Wissenschaft von den spezifischen Ordnungen, Klassifikationen, Nutzungen und Formen von Gebäudetypen definiert, andererseits aber und weit bedeutender Typologie als Prozess der Typenbildung oder TYPOGENESE versteht. Während lange die These von der langsamen Evolution der Typen galt, reiben sich heute Bestandssubstanz und Nutzungsvorstellungen so kreativ aneinander, dass der Prozess der Typogenese heute weniger einem evolutionären Optimierungsvorgang als vielmehr einer disruptiv-revolutionären Re- und Neuinterpretation des Bestehenden zu gleichen scheint. Im Gegensatz zu den Ansätzen von Durand, Le Corbusier, Gropius, Rossi und Alexander ist dem Begriff der Typologie heute eine Unschärfe eigen, in der gerade das Spezifische der Zeit sich zeigt.

Typologie ist ein zutiefst modernes Anliegen, dessen Anfänge weit über das 18. Jahrhundert und damit das Zeitalter von Aufklärung und Rationalität (Boullée, Ledoux, Lequeu) zurück in die Renaissance reichen. Besonders die Fokussierung auf die Industrialisierung und die Massengesellschaft, auf Werkbund (Muthesius, van de Velde, Behrens) und Bauhaus (Gropius, Meyer) verschleiert die Tatsache, dass mit der Herausbildung einer städtischen Morphologie (Palazzo, Zentralbau, Raster) die Typologie ihren Anfang in der Renaissance hatte. Das heißt, dass die Typologie eben so sehr ein Projekt des Renaissancehumanismus ist wie eines der „Typen schaffenden Maschine“ (Gropius).

Hier möchte die Konferenz konzeptuell ansetzen. Zwischen den zwei Polen eines humanistisch-anthropologischen und eines technisch-funktionalistischen Ansatzes zeigt sich die ganze historische Tiefe und theoretische Breite der Thematik. So stellen die in permanenter Veränderung sich befindenden Arbeitsumgebungen der Start-Ups die klassischen Vorstellungen von Klassifikation und Ordnungssystemen (Schwarzwaldhaus, Laubenganghaus, Frankfurter Küche) und damit die Grundlagen der Architektur in Frage. Inwiefern wird im Unterschied dazu gerade heute die Unschärfe des Begriffs zum IMPULSGEBER FÜR KREATIVITÄT UND INNOVATION? Gilt weiterhin, dass nicht die Typen sondern allenfalls die Nutzungen sich ändern (Aldo Rossi)? Durands System einer typologischen Modularität war im 19. Jahrhundert geeignet, die neuen Bauaufgaben der Industrialisierung, der entstehenden Metropolen und der Individualisierung des bürgerlichen Wohnens zu ermöglichen. Wie verändert sich aber heute unter den Bedingungen des Building Information Modelling (BIM), 3D-printing, 3D-sculpting, 3D-milling and 3D-designing, aber auch stetig komplexer werdenden Bauvorschriften die Konzeption von Typ, Prototyp, Archetyp, Muster und Modell? Wie ändert sich das ENTWERFEN, seine METHODEN, seine MATERIALITÄT und deren THEORETISCHER UNTERBAU – und was bleibt sich gleich?

Die Konferenz Think.Design.Build 2 – Type, Typology and Typogenesis in Architecture wird 20 international renommierte Architekten, Theoretiker und Historiker einladen, um am 8./9. November in den drei Sektionen Think, Design, Build über die TRANSFORMATIONEN IN THEORIE UND PRAXIS zu diskutieren. Die Konferenz wird in enger Anlehnung an den neu eröffneten internationalen und englischsprachigen Masterstudien M-ARCH-T stattfinden, der sich thematisch mit den aktuellen Fragen der Typologie beschäftigt. Zur Förderung der Wissenschaften in der Architektur wird ein DOKTORANDENKOLLOQUIUM Teil der Konferenz sein. Dazu werden über einen Call for Papers Promovenden eingeladen, ihre Forschungsarbeiten zu präsentieren und vor einem internationalen Publikum zu diskutieren.

 

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